Pfarrgemeinde St. Ludger Selm

Hausliturgie vom 25.10.2020 – Weltmissionssonntag

Feiern wir gemeinsam sonntags um 11.00 Uhr oder zu Ihrer eigenen Zeit Hausliturgie. Die Texte der Hausliturgie vom 30. Sonntag im Jahreskreis (25.10.2020) hier als Download:


oder  direkt hier lesen.
Frühere Hausliturgien finden Sie über folgenden Link:
https://stludger-selm.de/hausliturgien-der-letzten-wochen/

Hausliturgie für den 30. Sonntag im Jahreskreis A – Weltmissionssonntag

(Lied: 477 1+2 Gott ruft sein Volk)

Kreuzzeichen: Im Namen des Vaters …

(Eröffnungsvers: Gott, der allen Menschen seine Liebe schenkt, er sei mit euch!)

Heute feierte die Kirche den Sonntag der Weltmission.
Damit lenkt sie unseren Blick erneut auf die notleidenden Menschen in der Welt
und möchte, durch unser Hilfe und Unterstützung, ein Zeichen der Solidarität und
ein Zeugnis gelebten Glaubens geben.
Somit kommt die Kirche dem Hauptgebot der Liebe nach,
von dem auch heute das Evangelium spricht!
Denn der Glaube an Gott zeigt und bewahrheitet sich immer in der Liebe
zum Mitmenschen, zu Gottes Geschöpfen und Schöpfung!

Der Apostel Paulus sagt im Römerbrief (Röm 13,8):
„Bleibt niemand etwas schuldig;
nur die Liebe schuldet ihr einander immer.
Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.“

Bitten wir Gott um sein Erbarmen, wo wir die Liebe einander schuldig geblieben sind:

Herr, Jesus Christus, stärke in uns deine Liebe. – Herr, erbarme dich.
Öffne unsere Herzen für unsere Mitmenschen. – Christus, erbarme dich.
Hilf uns, barmherzig mit uns selbst und anderen zu sein. – Herr, erbarme dich.

So erbarme sich über uns der gütige und barmherzige Gott.
Er nehme alles Lieblose und Böse von uns,
damit wir uns einander näherkommen und
diesen Gottesdienst mit frohem Herzen feiern können.
Amen.

(Gloria: 637 1+2 Lasst uns loben, freudig loben)

Tagesgebet:                     

Barmherziger Gott,
mehre in uns den Glauben,
die Hoffnung und die Liebe.
Gib uns die Gnade zu lieben,
was du uns sagst,
damit wir erlangen,
was du uns verheißen hast.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

Einführung zur Lesung:                    Ex 22,20-26

Das Gebot der Nächstenliebe war schon den Menschen des Alten Testamentes bekannt. Allerdings bezog es sich nur auf die Mitglieder des eigenen Stammes. Dennoch kannten die Israeliten auch schon ein großherziges Gastrecht gegenüber dem Fremden und Notleidenden im Land, von dem wir heute in der Lesung hören.

Lesung:                    Exodus 22,20-26

So spricht der Herr:
Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten,
denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen.
Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen.
Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören.
Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen,
so dass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden.
Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld,
dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Wucherer benehmen.
Ihr sollt von ihm keinen Wucherzins fordern.
Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand,
dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben;
denn es ist seine einzige Decke, der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt. Worin soll er sonst schlafen?
Wenn er zu mir schreit, höre ich es, denn ich habe Mitleid.

(Lied: 483 1,3,4 Taizé-Halleluja)

Evangelium:          Matthäus 22,34-40

In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen.
Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn:
Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Jesus antwortete ihm:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele
und mit all deinen Gedanken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Predigtgedanken:

Liebe Gemeinde,
das Christentum und der Glaube ist im Grunde ganz einfach.
„Liebe und tue was du willst!“, sagte dazu der Heilige Augustinus und hat damit das ganze Christentum in einem Satz schon zusammengefasst.
Wer liebt, wer die Liebe lebt, der wird dem anderen nichts Böses antun wollen.
Der wird aufmerksam und sensibel sein für die Wünsche und Bedürfnisse seines Gegenübers.
Wer liebt, der wird dem anderen helfen, ihn fördern und unterstützen, wo er kann!

Dabei geschieht das Ganze nicht aus Zwang oder Pflicht heraus,
sondern freiwillig und gern, eben einfach aus Liebe:
weil ich den anderen mag,
weil ich ihn liebgewonnen habe,
weil ich ihn in mein Herz geschlossen habe.

Natürlich ist mein Herz nicht jeden Tag gleich voll von Liebe und manch Miss-
verständnisse bringen auch Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit sich.
Daher bedarf es auch gewisser Freundschaftsregeln und -gebote,
gewisse Selbstverpflichtungen, wie dem Gebot der Treue oder auch der Wille
zur Vergebungsbereitschaft und andere mehr.
Aber all diese Gebote, diese Angebote und Empfehlungen,
haben ihren Urgrund immer in der Liebe; weil ich ja trotz manchen Scheiterns,
manch lieblosen Verhaltens, manch liebloser Tat, weiterhin an diese Liebe glauben möchte, mich an ihr orientieren und festhalten will!
Solange das der Fall ist, werde ich diese Gebote auch von selbst halten und beachten, auch wenn sie mir schwer fallen, weil ich mich selbst dazu entschlossen und verpflichtete habe und sie als sinnvoll für mich und unser aller Zusammenleben empfinde! So wie zum Beispiel auch junge Brautpaare am Traualtar sich ihre Treue versprechen und ihre Liebe vor Gott bekennen und einander bezeugen wollen!

Häufig sehen wir aber vor lauter Regeln und Geboten die Liebe selbst nicht mehr,
die eigentlich hinter alle dem stehen sollte!
So ist es auch mit vielen kirchlichen Regeln und Geboten, ob es der Sonntags-kirchgang und das Sonntagsgebot ist, das Fasten- und Abstinenzgebot am Freitag oder auch die Christenpflichten, wie die Sakramente zu empfangen und mal zur Beichte zu gehen.
Wenn ich Gott liebe und ich in dieser Liebe und Freundschaft mit Gott bleiben möchte, dann werde ich von selbst zusehen, dass ich mich möglichst oft mit ihm verabreden und treffen kann!
Das Reden und Sprechen mit ihm, wie auch das Hören auf ihn, kann dann beten heißen oder auch bedeuten zur Kirche zu gehen!
Wenn ich an Gottes Liebe glaube und dieser Glaube mir wichtig ist,
dann werde ich diesen Glauben auch mit anderen feiern und teilen wollen!
So werde ich von selbst den ein oder anderen Gottesdienst am Sonntag oder unter der Woche besuchen wollen und bei solchen Treffen und Begegnungen auch anderen Mitmenschen von meinem Glauben erzählen.

In den Messfeiern kann ich immer das Evangelium, die frohe Botschaft Jesu hören und Gottes Nähe und Liebe, seine Zusage, immer wieder in der Eucharistie miteinander feiern und vertiefen.
Und wenn ich selbst verstehen und nachspüren will, wie groß die Liebe Jesu für uns Menschen ist, dass er sogar aus Liebe an Karfreitag sein Leben für uns hingegeben hat, dann kann ich vielleicht auch an einem Freitag etwas Besonderes tun, auf etwas verzichten und von mir geben, wie ein Opfer, um nachzuvollziehen und mich daran zu erinnern, was Jesus für mich Gutes getan hat.
Ob man dann dabei auf Fleischgenuss oder etwas anderes verzichtet oder ganz bewusst etwas Gutes für andere tut, dass bleibt einem dann völlig frei!

In allen kirchlichen Regeln und Geboten geht es eigentlich immer nur um eins,
den Glauben an Gottes Liebe zu leben und lebendig zu halten!

Das aber kann man nicht per Gesetz vorschreiben oder anordnen,
dass wäre auch ein Widerspruch in sich, da man Liebe und Glauben nicht
per Gesetz verordnen kann. Liebe ist schließlich Beziehung und muss jeden Tag auf’s Neue gelebt und geübt werden!

Alle Gebote sind daher immer nur eine Ausformulierung, ein Ausfluss der Liebe,
eine gute, lebensbejahende, lebensfördernde und -schützende Anweisung,
ein Rat, wie das Leben und Zusammenleben,
wie die Beziehung Gott, Mensch, Mitmensch und Schöpfung,
gelingen kann, wenn man sie nur beherzigt und die Absicht dahinter versteht.

Daher sagt Jesus nach dem Hauptgebot der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe:
„An diesem Gebot hängt das ganze Gesetz, samt (all) seinen Propheten!“

Modern formuliert könnten man vielleicht sagen: Daran hängt unser ganzes Grundgesetze, unser ganzes Rechtswerk, die Richter und Gerichte und unser ganzes, freiheitliches Zusammenleben.

Was aber passiert, wenn man nur an den äußeren Wortlauten eines Gebots festhält und hängt, davon erzählt eine jüdische Weisheitsgeschichte, die einen realen Hinter-grund hatte.
Im ersten Jahrhundert vor Christus gab es zwei rabbinische Schulen.
Die Schule des Hillel und die Schule des Schamai.
Rabbi Schamai war dafür bekannt, dass er die jüdischen Gesetze und Gebote sehr ernst nahm und sie sehr streng auslegte.
Während Rabbi Hillel häufig die Großherzigkeit vor das Gesetz stellte und eine milde Auslegung der Gebote lehrte.
Von dieser rabbinischen Schule sollte auch Jesus unterrichtet und beeinflusst worden sein.

Eines Tages heißt es, kam ein Ungläubiger zu Rabbi Schamai und sagte:
„Ich würde gerne zum Judentum übertreten, aber nur, wenn du mir euren Glauben
mit all den Gebote, Gesetzen und Vorschriften in der Zeit erklären und näher bringen
kannst, solange ich auf einen Bein stehen kann!“

Rabbi Schamai fühlte sich beleidigt und auf den Arm genommen und jagte wütend und schimpfend, den vielleicht etwas kecken, jungen Mann aus seinem Haus!

Als es der junge Mann mit der gleichen Bitte erneut bei Rabbi Hillel versuchte,
sagte dieser nur:
„Tritt ein mein Freund! Du brauchst dich gar nicht erst zu bemühen auf einem Bein zu
stehen!“ – „Liebe Gott, deine Mitmenschen und dich selbst und du wirst schon alles
richtig machen! Mehr verlangt Gott und all unsere Gesetze gar nicht von dir!
Das allein reicht!“

Bevor wir uns also um das Recht, um die Gesetze und Gebote in der Kirche
oder auch in Glaubensfragen streiten und prügeln, sollten wir ihnen lieber
die Liebe voranstellen und versuchen aus ihr heraus zu leben und so das Rechte erkennen und tun, wie es Jesus tat!

Das allein genügt! Das allein überzeugt! Und nur so kann Verkündigung und Mission gelingen: „In Worten und Taten der Liebe!“
Denn in ihr wohnt Gott, ist Gott uns ganz nahe!

Credo:          Lied 831 1-3 Liebe ist nicht nur ein Wort

Fürbitten:

Herr, Jesus Christus, du sagst uns: „Geht hinaus in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“, so bitten wir dich:

Für unsere neuen Kommunionkinder, die sich in den kommenden Monaten auf ihre Erstkommunion vorbereiten, lass sie viel Freude, Hilfe und Kraft im Glauben finden.

Herr, Jesus Christus: Wir bitten dich, erhöre uns.

Für uns als Gemeinde, dass wir unseren Glauben in Worten und Taten der Liebe leben und anderen darin ein Vorbild sein mögen.

Für alle, die sich einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit, lass ihre Arbeit reiche Früchte tragen.

Für die notleidenden Menschen in Westafrika und für unsere Partnergemeinde in Mandevu, lass bei uns Hilfe und Unterstützung finden.

Für unsere Verstorbenen (, für und all unsere Toten,)
nimm sie auf in dein Reich und schenke ihnen deine unendliche Liebe und Güte.

Herr, Jesus Christus, die Liebe überwindet das Böse und bewirkt das Gute.
Sie stiftet Frieden und Zusammenhalt, so stärke in uns deine Liebe. Amen.

(Lied: 470 1-5 Wenn das Brot, das wir teilen)

Vaterunser

Brot brechen und teilen

Dankgebet zum Weltmissionssonntag:

Selig, die Frieden stiften

SELIG, die in Zeiten der Not zu ihrem Ursprung finden,
die im Kreuz den Baum des Lebens erkennen,
die Christus erfahren als Alpha und Omega.
Sie werden alles überwinden, was trennt.

SELIG, die in Zeiten der Not Solidarität leben,
die die Masken der Einsamkeit abstreifen,
die in Gemeinschaft über sich selbst hinauswachsen.
Sie werden die Welt erneuern.

SELIG, die in Zeiten der Not den Horizont offen halten,
die Türen der Hoffnung auftun,
die den Menschen Leben, Licht und Zuversicht bringen.
Sie werden Frieden stiften.
Katharina Bosl von Papp

Schlussgebet und -segen:

Gott, der in uns wohnen will,
er mache unsere Herzen weit,
damit seine Liebe durch uns lebt.
Dazu segne er uns:
Im Namen des Vaters, …

(Marienlied: 588 1+3 Sagt an, wer ist doch diese)
Oder: 458 Selig seid ihr



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