Pfarrgemeinde St. Ludger Selm

Hausliturgie am 6. Sonntag der Osterzeit – 09.05.2021

Feiern wir gemeinsam am Samstag um 17.00 Uhr oder zu Ihrer eigenen Zeit Hausliturgie. Die Texte der Hausliturgie zum 6. Ostersonntag im JK B (09.05.2021) hier als Download:

oder  direkt hier lesen.
Frühere Hausliturgien finden Sie über folgenden Link:
https://stludger-selm.de/hausliturgien-der-letzten-wochen/

Hausliturgie zum 6. Ostersonntag 2021 im JK B
Pfr. Themann

Eröffnung: GL 329 – 1+3+4

Einführung:

Jesus Christus, der uns ein Freund ist, er ist mit euch.
Ostern geht weiter. Die Auferstehung Jesu feiern wir 50 Tage lang wie „ein großes Fest“– mit immer neuen Akzenten. Der Hauptakzent liegt heute auf den Stichwörtern Liebe und Freundschaft.

In unseren Freundschaften erleben wir Ermutigendes, machen aber auch manchmal herbe Enttäuschungen. Es ist gar nicht so einfach, in der Liebe zu bleiben, eine Freundschaft zu wahren. Immer wieder kommt es auch zu Krisen.

Obwohl Jesus der Herr, Gottes Sohn ist, behandelt er die Jünger nicht wie Untergebene und Knechte, sondern wie Freunde. Und durch die Auferstehung ist diese Beziehung nicht vorbei, sondern geht geistgewirkt  weiter – durch das „IHM verbunden bleiben“:

Kyrie:

Herr, Jesus Christus

  • du willst, dass deine Freude in uns ist: Herr, erbarme dich unser …
  • du hast uns erwählt, dass wir uns aufmachen und Frucht bringen: Christus, erbarme dich unser …
  • deine Liebe ist so groß, dass DU in uns deine „Freunde“ siehst: Herr, erbarme dich unser …

Gloria: Gotteslob 724

Tagesgebet: vom Tag

Allmächtiger Gott,
lass uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen
und die Auferstehung unseres Herrn preisen,
damit das Ostergeheimnis,
das wir in diesen fünfzig Tagen feiern,
unser ganzes Leben prägt und verwandelt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Lesung: Apg 10,25-26.34-35.44-48

Als Petrus in Cäsaréa beim Hauptmann Kornélius ankam,
ging ihm dieser entgegen und warf sich ihm ehrfürchtig zu Füßen.
Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.
Da begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Noch während Petrus redete, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.
Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.
Petrus aber sagte:
Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn,
einige Tage zu bleiben.

Antwortgesang

Evangelium: Joh15,9-17

Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

Predigt: (Pfr. Themann)

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben.
Es ist ein Kernstück des Johannesevangeliums und ein Kernstück seiner Theologie. Was der Evangelist am letzten Wochenende im Bildwort des Weinstocks und den Reben gesagt hat, hören wir heute in den zentralen Worten der Liebe, Freundschaft und des „ineinander bleiben“.

Für den Evangelisten Johannes sind das Schlüsselworte, Schlüsselbegriffe seines Evangeliums. Der heutige Text, der Teil der Abschiedsrede Jesu ist, schließt Johannes dem letzten Abendmahl an. Und auch da hat Evangelist bewusst nicht direkt vom letzten Abendmahl erzählt, sondern stattdessen die Fußwaschung eingefügt.

In ihr tut Jesus das, wovon er im heutigen Evangelium spricht. Er überwindet die Aufteilung von Herrn und Diener. Er selbst geht in die Rolles des Dienenden hinein und wäscht den Jüngern die Füße. Auch ihr sollt so handeln. Versteht ihr was ich an euch getan habe?

Was in der Fußwaschung in der Tat geschah, finden wir heute in Worten wieder. Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde, dann ihr wisst um meinen Weg, ich habe euch alles wichtige mitgeteilt.

Freund Jesu sein, Freund Gottes sein. – hört sich das normal an? Klingt es nicht vielleicht zu groß oder auch sehr befremdlich?

Im Alten, im Ersten Testament ist die Abgrenzung, die Entfernung zu Gott groß. Gott ist der Schöpfer, der Auftrag gebende, Mose der Ausführende. Am Berg Sinai: Gott der Verborgene in der Wolke, der nicht von Angesicht zu Angesicht angesehen werden kann. Oder Samuel: Er soll nach dem mehrfachen Anruf Gottes antworten: „Rede Herr, dein Diener hört.“

Da wir Gott die Schaffung der Welt und des Lebens zutrauen, ihn als allwissend, ewig, allmächtig bezeichnen, liegt eher eine gefühlte Distanz zwischen uns und IHM. ER ist für uns vielmehr das große Gegenüber, der Herr, zu dem wir aufschauen, das große Vorbild, von dem wir lernen, von dem wir ein kleines Stück nachzuleben versuchen.

Auch die Jünger und Jüngerinnen Jesu nennen ihn Rabuni – also Meister, nennen ihn Herr. Auch da ist „Freund“ nicht die erste Anrede.

Diese Distanz zwischen Gott und uns Menschen lässt für die Beziehung zu IHM den Begriff Freundschaft eigentlich nicht zu.
Daher ist es ein „Umsturz der Werte“, wenn nach Johannes Jesus die Jünger zu seinen Freunden macht. In der Freundesbeziehung gibt es kein unten und oben.

Und die Verbindung ist die Liebe. Sie ist das, was Gott und Jesus Christus verbindet, was uns Menschen mit Gott verbindet und was die Menschen untereinander verbindet. Wir Menschen sind in der Liebe Gottes vereint. Es ist eine hingebende Liebe, die sich am Beispiel Jesu, an seinem Leben, orientiert.

Und wie Jesus die Liebe versteht und lebt, das hat Konsequenzen auf die Beziehung zwischen IHM und uns Menschen: aus dem Verhältnis Herr – Knecht wird eine freundschaftliche Beziehung, in der der eine vom anderen weiß, eine Beziehung auf Augenhöhe.

Klar definiert wird, dass die Initiative dazu von Jesus Christus ausgeht und nicht von uns. „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ Diese Erwählung mündet in den Auftrag: „Liebt einander!“

So endete auch die Fußwaschung: Wenn ich – euer Herr und Meister -euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. – Jesus hebt die Distanz auf, von ihm geht die Initiative aus und der Auftrag, ebenso zu handeln.

Es ist die Liebe wahrer Freundschaft – können wir sagen – für die wir sprichwörtlich „das letzte Hemd geben“ würden, für die wir mitten in der Nacht uns wecken lassen.
Eine wahrlich große Liebe – die sich für den Anderen hingibt, bis in den Tod. Sie zeigt sich in der Lebenshingabe Jesu, einer Hingabe aus Freundschaft zu uns, damit wir das neue Leben haben.

Wir kommen nicht umhin, unseren Freunden wirklich das für sie Beste zu geben – und das ist nicht immer das, was gleichsam „freundlich“ ist, sondern manchmal heißt das auch, einer Freundin, einem Freund, Perspektiven in ihrem oder seinem Leben aufzuzeigen, denen er nicht gleich freudig zustimmen kann.
Wir kommen in echter Freundschaft nicht umhin, einander immer wieder zu vergeben. Diese echte, tiefe Liebe ist uns aufgetragen. Zu ihr sind wir im Heiligen Geist befähigt.

Unsere Liebe – ja, sie wird immer bruchstückhaft bleiben, denn nur Gott selbst ist die vollkommene Liebe.
Aber – all unser Lieben kann ein kleiner Hinweis auf die „uns alle umfassende“, größere Liebe Gottes sein, Hinweis auf die Freundschaft Gottes sein.
In seinen Augen, von IHM her gesehen sind wir groß, sind wir Freunde, sind wir jeder Liebe wert.
Darum hören sie es heute vielleicht ganz bewusst von Gott her:

Du, ja du bist meine Freundin.
Du, ja du bist mein Freund.
Ich habe dich dazu erwählt.

Fürbitten:

P:Der Herr hat uns erwählt und dazu bestimmt, dass wir uns aufmachen und Frucht bringen, und dass unsere Frucht bleibt. Ihn bitten wir um die Unterstützung seines Geistes:
Wir antworten heute mit der Bitte: Herr, sende deinen Geist.
  
L:In Strukturprozessen bemühen sich viele, unserer Kirche eine tragfähige Gestalt für die Zukunft zu geben.
Für sie bitten wir.     A: Herr, sende deinen Geist.
  
L:In Einrichtungen und Diensten der Caritas versuchen Menschen, anderen „deine Liebe zu uns“ spürbar zu machen.
Für sie bitten wir.
  
L:Viele stille Beterinnen und Beter sowie Gebetsgruppen gestalten einen spirituellen Kraftraum, in dem Kirche werden kann.
Für sie bitten wir.
  
L:Durch Sünden und Skandale ist Kirche Menschen fremd geworden, doch die Sehnsucht nach Gott ist in ihrem Herzen geblieben.
Für sie bitten wir.
  
L:Im „Synodalen Weg“ suchen Menschen guten Willens in der deutschen Kirche nach Antworten auf die Fragen unserer Zeit.
Für sie bitten wir.
  
P:Herr, wenn du uns im Geist nahe bist, spüren wir auf Erden die Freude des Himmels. Dafür sei dir Lob und Dank in Ewigkeit.

Vater Unser:

Schlussgebet:

Allmächtiger, sorgender Gott,
Du hast uns in deine Freundschaft und Liebe hineingenommen. Dafür danken wir dir.
Wir bitten dich: Lass uns gestärkt mit neuer Lebenskraft unseren Lebensweg gehen. Hilf uns, die Liebe mit anderen zu teilen und ihnen Leben und Hoffnung zu geben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

Schlusslied: GL 533, 1+3

Hier die Hausliturgien der letzten Wochen
https://stludger-selm.de/hausliturgien-der-letzten-wochen/